Aufruf für arte popular mexicano 2016

Casa Tochan
und
das Ökumenische Büro für Frieden und Gerechtigkeit e.V.

Vorwort
Die Migration von Menschen nach Mexiko von der Südgrenze aus ist ein Phänomen, welches es seit vielen Jahrzehnten gibt , sich aber in den letzten Jahren verstärkt hat. Die Menschen fliehen vor der Gewalt und dem Elend, welches sie in ihren Herkunftsländern erleben müssen. In der überwiegenden Mehrzahl von Fällen durchqueren sie Mexiko, um in die Vereinigten Staaten von Amerika zu gelangen in der Hoffnung, dort ein besseres Leben führen zu können. Auf ihrer Durchreise durch Mexiko werden fast alle von ihnen Opfer von Menschenrechtsverletzungen und Übergriffen durch Kriminelle.
Zu den Regierungszeiten von Felipe Caldéron und seinem “Krieg gegen den Drogenhandel”, wurden die Migrantinnen und Migranten stark in Mitleidenschaft gezogen, da die Zahl der Überfälle, Entführungen und Morde deutlich anstieg. Die Überlebenden dieser Verbrechen bekamen unverzüglich das Visum aus humantiären Gründen (visa humanitaria) ausgestellt, welches ihnen erlaubte sich vorübergehend im Land aufzuhalten und zu arbeiten, bis sie eine Möglichkeit gefunden hatten an die nördliche Grenze zu gelangen.
In der Amtszeit von Peña Nieto hat sich diese Politik vollkommen verändert. Unter dem Vorwand “die Migranten vor Kriminalität zu schützen” und unter dem Deckmantel des sogenannten “Plan Frontera Sur” (Plan de Südgrenze) ist es nun verboten auf dem Zug zu reisen, welcher sie bis dahin bis zur Nordgrenze gebracht hatte. Um diesen Plan durchzusetzen, wurde die Anzahl der Kontrollpunkte im Inneren des Landes erhöht, bei denen mit der Parole “Hier kommt niemand durch“ nicht die Migrationspolizei sondern auch die Bundespolizei und sogar das Militär aufegstellt sind. Durch solche Maßnahmen wurde die Grenze in Suchiate faktisch bis zum Rio Bravo erweitert. Währende seit dem die Anzahl der Abschiebungen in den USA deutlich nachgelassen hat, steigte die Anzahl der Abschiebungen in Mexiko um mehr als die Hälfte im Vergleich zum Vorjahr.
Diese neuen Bedingungen haben Mexiko-Stadt zu einem Ort der Durschreise und des vorübergehenden oder dauerhaften Aufenthaltes für Migranten gemacht. Dorthin gelangen sie zumeist zu Fuß, um die Kontrollpunkte und die Polizei zu umgehen, welche sich heutzutage im ganzen Land und auch im Umland der Hauptstadt befinden.
Diese Situation hat verschiedene Menschenrechtsorganisationen dazu motiviert auf diese humantäre Krise zu reagieren, welche von der derzeitgien Regierung ausgelöst wurde. So haben sich die Organisationen “Sin Fronteras”, “Casa de los Amigos”, “Casa del Refugiado” und das “Comité de Solidaridad y de Monseñor Romero“ zusammengeschlossen, um unter anderem gemeinsam die “Casa Tochan” zu gründen, welche vom “Comité Monseñor Romero” koordiniert wird. In der Casa Tochan finden Migrantinnen und Migranten aus Zentralamerika eine vorübergehende Unterkunft und Unterstützung.
Casa Tochan hat sich das Ziel gesetzt, Migrantinnen und Migranten, Flüchtlinge und Opfer von Gewalttaten aufzunehmen, welche zumeist durch Organisationen wie Sin Fronteras, IOM (Internationale Organisation für Migration) und Casa del Refugiado vermittelt werden. Dabei soll ihnen geholfen werden, sich in der mexikanischen Gesellschaft einzuleben, damit sie während ihres Aufenhaltes eine Arbeit finden und eine Wohnung mieten können und so erfolgreich dazu in der Lage sind, ein neues Leben in Mexiko zu führen. Außerdem werden auch Menschen aufgenommen, die von anderen Migrantenherbergen im Süden des Landes vermittelt werden, wie zum Beispiel die von Fray Tomás in Tabasco, Solalinde in Oaxaca und Norma Romero (las Patronas) koordiniert werden.
Um diese Arbeit zu unterstützen, welche wir trotz der präkeren Lage unserer materiellen Ressourcen erfolgreich durchführen, laden wir interessierte Grafikkünstlerinnen und -künstler ein, an einer Ausstellung mit dem Thema “Migration und Flüchtlinge” teilzunehmen, welche im August in München und im Oktober in Mexiko-Stadt stattfinden wird.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie unter:
www.oeku-buero.de